Ihn als aggressiven Schreihals abzutun, wäre zu einfach, denn man würde Adolf Hitler damit maßlos unterschätzen. Der Eindruck des ewigen Cholerikers entsteht durch die historischen Dokumente, durch Ausschnitte, die ihn meist in Rage und auf dem Höhepunkt seiner Hasstiraden zeigen. Dabei waren seine Choreografie, sein Spiel mit Stimmlagen, Pausen und Intonationen viel komplexer- und effektiver.

 

Hitler war berüchtigt für sein anfängliches Schweigen, das stille Ausharren am Pult, sein konzentriertes Räuspern. Wenn der Diktator dann die gespannte Stille durchbrach und die Stimme erhob, klang sie zunächst ruhig und eher tief. Erst langsam steigerte er sich, so lange, bis seine Stimme aggressiv, resolut und abgehackt in ohrenbetäubendes Lärmen mündete.

 

Diese Strategie schien der Ideologie des Nationalsozialismus perfekt in die Hände zu spielen. Hitler setzte seine Stimme bewusst ein, um sich selbst und die Massen bis zur Hysterie aufzupeitschen. Und sein bis ins kleinste Detail durchdachter Auftritt wirkte – obwohl das, was der Diktator sagte, wenig originell und, rhetorisch gesehen, eher mangelhaft war. Das Spiel mit Klang und Rhythmus dagegen folgte einem ausgeklügelten Plan.

 

Phonetiker stellten fest, dass die typische Frequenz von Hitlers Stimme bei 228 Schwingungen pro Sekunde lag. Die Durchschnittsfrequenz einer zornigen Stimme liegt bei 200 Vibrationen pro Sekunde. Zusammen mit dem hohen Tonfall habe er sein Publikum geradezu betäubt, schlussfolgern die Forscher. Amerikaner, die seine Stimme wegen der Zeitverschiebung frühmorgens im Radio hörten, berichteten später, sie hätten inhaltlich nichts verstanden, aber allein der Klang der Stimme habe sie davon überzeugt, dass gefährliche Zeiten bevorstünden.

 

Kann die Stimme eine Wahl entscheiden?

 

Stimm-Experten sind sogar davon überzeugt, dass die Stimme wahlentscheidend sein kann. Als Al Gore im Jahr 2000 als Anwärter auf das Amt des US-Präsidenten scheiterte, soll das zu einem beträchtlichen Teil an seinem frostigen Timbre gelegen haben. Bis zuletzt hätten Al Gores Stimmtrainer versucht, seiner steifen, frömmelnden Sprechweise mehr Dynamik zu verleihen – laut Phonetikern das große Plus von George W. Bush: Seine gern eingesetzte kumpelhafte Westernsprache schafft ein Gefühl der Nähe und Natürlichkeit – das hatte letztlich den Effekt, dass die Wähler über die vielen Versprecher und inhaltlichen Fehler in Bushs Reden milde hinwegsahen…

 

Auch bei Barack Obama sind sich die Experten einig. Es ist der Klang seiner Stimme, das tiefe, beruhigte Timbre, die betonte Klarheit – Faktoren, die vielen ins Herz sprachen und für ihn stimmen ließen. Die manipulative Kraft der Stimme ist unbestritten. Erst wenn wir sprechen, zeigen wir, wer wir sind.

 

Jede Stimme hat bestimmte Betonungsstrukturen. Diese sind – abgesehen von einer frühkindlichen Prägung aus dem Elternhaus, sowie Kindergarten und die ersten beiden Jahre der Grundschule – auch stark kulturell geprägt.

 

Im Norden Deutschlands (nördlich von Kassel) ist tendenziell mehr Nachdruck in der Stimme zu hören. Österreicher betonen wiederum mehr mit Tonhöhen. So klingt das eine klarer, das andere freundlicher. Beides hat Vor- und Nachteile. So bekommt die Klarheit viel Aufmerksamkeit, wirkt jedoch nicht unbedingt sympathisch. Die Freundlichkeit ist wunderbar für den Beziehungsaufbau geeignet, klingt jedoch unverbindlich und im Extrem auch harmlos.

 

Diese Betonungsstrukturen auch Stimmcodes genannt, kann man in einem Stimmtraining lernen. Ziel ist, es jene Stimmcodes in der persönlichen Stimme und Sprechweise zu entwickeln, die nicht oder nur untergeordnet vorhanden sind. Damit Sie alle Facetten Ihrer Stimme auch nutzen können. Auch wenn Sie in einem Verkaufsgespräch die richtigen Worte sagen, kann die Betonung Ihrer Worte den Sinn umkehren. Das kann über Erfolg und Misserfolg im Verkauf entscheiden. Denn es ist viel wichtiger WIE Sie etwas sagen, als „WAS“ Sie sagen.
 

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