Im Alltag begegnen uns unterschiedliche Stimmen. Ob am Arbeitsplatz, im Radio oder morgens beim Bäcker – da wird gekrächzt und gepiepst, tief und sonor gebrummt, hart gequetscht oder auch wohlklingend geschnurrt. Hören Sie sich einmal bewusst um. Nicht alle Sprecher tun dies mit bewusster Absicht und so mancher würde wohl gerne tauschen. Aber geht das überhaupt? Können wir unsere Stimme tatsächlich verändern? Und wenn ja, wie? 

Ein Photoshop für die Stimme gefällig? Dann lesen Sie hier weiter.

Die gute Nachricht zuerst. Stimme ist Muskel und Gewohnheit. Und wie das bei Gewohnheiten so ist, sind sie oft hartnäckig, wenn wir sie verändern wollen. Mit ein wenig Training und den richtigen Hebeln sind Sie Ihrer optimalen Sprechwirkung jedoch in kürzester Zeit näher.

Oh je! Gewohnheit

Das Problem bei der Gewohnheit in der Sprechweise ist, dass wir hier tatsächlich einen blinden Fleck haben. Da wir nicht wissen, wie wir eigentlich sprechen und was wir dabei genau tun, ist es auch nachvollziehbar schwierig, wenn wir dies verändern wollen. 

Experiment

Machen Sie mit beiden Händen eine Faust, ziehen Sie die Schultern hoch, pressen Sie die Zähne zusammen und quetschen Sie dann ein: „Es reicht mir!“ hervor. Die wird vermutlich eng und unangenehm klingen. Öffnen Sie dann die Zähne etwas und zählen Sie von 1-10 in dieser weiterhin engen und gequetschten Haltung. Ich hoffe, Sie bemerken einen Unterschied zu Ihrer normalen Sprechweise, denn es gibt viele Menschen, die immer – sprich chronisch gequetscht bzw. gepresst sprechen. Alles was wir längere Zeit tun, werden wir gewohnt und es fällt uns gar nicht mehr auf. Kein Wunder, dass sich bei vielen der Stress und Druck, den sie im Alltag erleben auf die Stimme schlägt, die dann unnatürlich und unentspannt klingt.

Seufzen Sie nun 2-3 mal tief und herzhaft, während Sie die Schultern heben und bewusst fallen lassen. Sagen Sie danach ein entspanntes und wohliges „Mmmmh, Herrlich!“. Ihre Stimme wird vermutlich anders klingen, als beim ersten Beispiel.

Die Stimme ein chronisches Leiden

Ist die Stimme nun chronisch in eine bestimmte Einstellung gegangen, dann wird uns dies vertraut und wir empfinden uns als authentisch. Auch wenn dies ganz und gar nicht wohlklingend sein mag. 

Seufzen entspannt!

Entspannen Sie daher immer wieder zwischendurch Ihre Stimme (mit Schulter fallen lassen und Seufzen). Sie werden sehen – nach und nach verändert sich das wieder und dann klingt es auch wieder angenehm, weil entspannt. So können Sie selbst Einfluss darauf nehmen, wie Sie klingen. 

Atmung ist Kontrolle 

Wer langsamer spricht, wird besser verstanden. Ich kann meine Sprechzeit jedoch erst dann gestalten, wenn ich meine Atmung im Griff habe. Zum Glück ist die Atmung autonom und wir müssen darüber nicht nachdenken jetzt zu atmen. Das wäre auch sehr unpraktisch und wir würden riskieren zu ersticken, wenn wir einmal darauf vergessen ;-). Erst wenn wir in eine Stresssituation geraten, verändern wir unseren Atem. Wir halten die Luft an, atmen zu häufig ein, atmen nur flach oder sprechen zu viel und zu lange ohne zu atmen. Damit steigt in unserem Körper die Spannung an. Machen wir dann einen Fehler, steigt die Spannung noch höher, der Kopf wird außen rot und innen leer…. Den Rest kennen Sie vermutlich.

Wenn Sie das Gefühl haben keine Luft zu bekommen oder einen tiefen lauten! Schnappatmer machen, weil Ihnen sprichwörtllich die Luft ausgeht, dann wird dies Atmung nicht umsonst  Notatmung genannt. Nicht gut. 

Sprechen ist hörbares Ausatmen. 

Der Atem soll einfallen – am leichtesten gelingt dies, wenn Sie den Bauch loslassen. Seufzen Sie erneut und lassen Sie den Bauch los beim Ausatmen. Dazu auch im Mundbereich die Spannung lösen. Wie bei „Hopp!Hopp!Hopp!“ wo Sie danach einfach den Mund leicht öffnen und spüren können, wie beim Loslassen des Bauches die Luft einströmt. Warten Sie nicht zu lange mit dem Nachatmen beim Sprechen. Sprechen Sie einmal mehrere Sätze hintereinander ohne Atem zu holen. Sie werden folgendes bemerken: Im ersten Drittel des Atems klingt die Stimme noch voll und tragend. Gegen Ende des Atemstroms klingt es zunehmend gequetschter. Daher atmen Sie einfach etwas öfter mit der einfallenden Atemtechnik.

Die richtige Stimmspannung

Nun seufzen Sie ein weiteres Mal. Sie werden bemerken, dass Sie für das Auseufzen des gesamten Atemvolumens ca. 1-2 Sekunden benötigen. Beim Sprechen wird permanent ausgeatmet und das weit mehr als 1-2 Sekunden. Dies ist nur möglich, wenn wir die Atemluft aufsparen, in wir die Spannung halten. Versuchen Sie gerne die Gegeprobe: Lassen Sie alle Spannung im Körper los (ausseufzen!) und nuscheln Sie ohne Spannung in Kiefer und Wangen ein paar Sätze vor sich her. Sie hören den Unterschied vermutlich: Sprechen wir mit wenig Körperspannung fehlt der Stimme die Kraft und Fülle. Sie klingen atemlos mit wenig Dynamik. 

Richtiges Sprechen hat daher immer mit Atemregulierung zu tun. Ein Wechselspiel von  Spannung halten und loslassen.

Wir alle können das! + Wann wir doch Technik brauchen

Die gute Nachricht: Wir können das alle: wenn wir uns wohl fühlen und über ein Thema sprechen, das uns bewegt, können wir das. Niemand muss uns sagen, was wir da tun sollen.

Nur unter Stress brauchen wir ev. etwas Technik zur Unterstützung wie z.B. ein bewusstes Loslassen und dann wird der Atem plötzlich bewusst gesteuert und kontrolliert.

Und dann klingen wir auch angenehm in den Ohren unserer Zuhörer.

Versuchen Sie es – Viel Erfolg damit!

Barbara Blagusz



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