Reflektorische   Atemergänzung   und   Abspannen

(nach Coblenzer/Muhar)

Eine wichtige Voraussetzung für ein ökonomisches Atmen und Sprechen ist die reflektorische Atemergänzung. Dieser Vorgang kann mit einem Blasebalg verglichen werden. Treten wir auf den Blasebalg, strömt Luft aus. Lassen wir ihn los, füllt sich der Ballon von selbst wieder mit Luft. Übertragen auf unseren Organismus bedeutet dies, dass sich die Einatmung wie von selbst vollzieht. Wir müssen vor dem Sprechen also gar nicht groß nach Luft schnappen, sondern die Luft einfach einströmen lassen.

Mit Abspannen ist der Vorgang gemeint, der die reflektorische Atemergänzung auslöst. Bevor neue Luft in den Körper einströmt, muss die restliche Luft erst ausströmen und die an der Atmung beteiligten Muskeln müssen sich entspannen.

Die folgenden beiden Übungen bieten Ihnen die Möglichkeit, das Ablassen der überschüssigen Luft in der Lunge durch das Abspannen gezielt zu üben, sodass die reflektorische Atemergänzung stattfinden kann. Sie können dabei die reflektorische Atemergänzung auch einmal ganz bewusst erleben.

Abspannen mit t

Haken Sie die Hände in Brusthöhe voreinander ein. Die Ellbogen sind dabei etwas angehoben. Achten Sie aber darauf, dass Sie die Schultern nicht in die Höhe ziehen. Ziehen Sie nun die Hände kräftig auseinander, und sprechen Sie das Wort nicht, wobei der Laut ch gedehnt wird. Zeitgleich mit der Aussprache des t wird die Spannung der Hände gelöst.

Wiederholen Sie die Übung einige Male. Beim t löst sich automatisch die Bauchdecke, die restliche Luft strömt aus, und neue Luft strömt von selbst ein (reflektorische Atemergänzung). Wenn Sie eine Hand vor den Mund halten, können Sie spüren, dass mit dem Aufgeben des t Luft entweicht. Sprechen Sie nun den Satz Das glaub ich nicht. Wie oben beschrieben, bauen Sie auch hier während des Satzes eine Spannung durch das Auseinanderziehen der Hände auf. Beim t lösen Sie die Spannung, sodass die Bauchdecke gelöst wird und neue Luft einströmen kann.

Diese Übung soll Ihnen ein Gefühl für das Anspannen und Entspannen beim Atmen und Sprechen vermitteln.

Abspannen   mit   Ballwerfen

Für die folgende Übung benötigen Sie einen Tennisball. Falls Sie keinen Ball zur Hand haben, können Sie die Übung alternativ auch mit einem imaginären Ball durchführen.

Stellen Sie sich aufrecht hin, den Tennisball in der Wurfhanct Heben Sie nun die Wurfhand hoch über den Kopf, und werfen Sie den Tennisball mit dem Ruf hopp vor sich auf den Boden. Der hochspringende Ball wird in Höhe des Ellenbogens wieder gefangen. Achten Sie darauf, dass sich der Verschluss der Lippen beim pp löst.

Wiederholen Sie die Bewegung einige Male.

Mit der Armbewegung über den Kopf strömt genug Luft für die Stimmgebung ein; wir brauchen nicht extra Luft zu holen. Die Ausatmung geschieht beim Rufen des hopp. Durch das Lösen der Lippenspannung beim pp werden die Atemmuskeln entspannt.

Auch wenn Sie das Tempo steigern, werden Sie merken, dass Sie nicht außer Atem kommen, da die Luft reflektorisch ergänzt wird.