Atemrhythmisch angepasste Phonation

(nach Coblenzer/Muhar)

Viele Menschen vergessen vor lauter Sprechen das Atmen. Das Ergebnis ist, dass die letzten Worte regelrecht herausgepresst werden und das Sprechen immer anstrengender wird. Damit geht oftmals ein geräuschvolles Schnappen nach Luft einher. Entscheidend bei einer ökonomischen Sprechatmung ist, dass die zur Verfügung stehende Luft effektiv eingeteilt wird.

Der Professor, Sprecherzieher und Schauspieler Dr. phil. Horst Coblenzer und der Professor Dr. med. Franz Muhar haben dazu das Konzept der atemrhythmisch angepassten Phonation entwickelt. Ziel der atemrhythmisch angepassten Phonation ist es, das Sprechen dem natürlichen Atemrhythmus anzupassen. Dies bedeutet, dass wir nur so lange sprechen, wie uns tatsächlich Luft zur Verfügung steht.

Um den natürlichen und individuellen Atemrhythmus zu finden, setzen Sie sich auf das vordere Drittel eines Stuhls. Umfassen Sie mit beiden Händen eines Ihrer Knie, und heben Sie es an. Schaukeln Sie einige Male langsam vor und zurück, und spüren Sie, wie sich Ihr Atemrhythmus dem Schaukeln anpasst:

Die Luft kommt mit dem Rückschwung und geht mit dem Vorschwung. Sie werden merken, dass Sie beim Rückschwung gar nicht groß nach Luft schnappen müssen, sondern die Luft wie von selbst einströmt.

Wenn Sie Ihren Atemrhythmus gefunden haben, atmen Sie beim Nach-vorne-Gehen auf fff aus.

Wenn Sie diese Übung einige Male wiederholt haben, sprechen Sie beim Vorschwung ein langgezogenes wom, som oder mam.

Nach einigen Malen können Sie versuchen, ganze Sätze zu sprechen. Hierfür eignen sich besonders gut Kinderlieder oder -reime.

Coblenzer/Muhar schlagen als ersten Übungssatz folgenden vor:

Ich gäb’ was drum,

wenn ich nur wüsst,

wer heut der Herr

gewesen ist.

 

Wichtig ist, dass Sie zuvor immer erst Ihren Atemrhythmus finden und sich „einschaukeln”. Sprechen Sie danach langsam Zeile für Zeile. Lassen Sie nach jeder Zeile erneut Luft einströmen. Wenn Sie merken, dass Sie nach dem Sprechen noch Luft übrig haben, versuchen Sie, zwei Zeilen auf einmal zu sprechen.

Sie werden feststellen, dass das Sprechen bei dieser Übung nicht anstrengend ist, weil Sie Ihren individuellen Atemrhythmus gefunden haben.

Diese Übung dient vor allem dazu, ein Gespür für den eigenen Atemrhythmus zu bekommen und diesen dann nach und nach im Alltag zu erfahren und sich ihm anzupassen.