Starke Stimmen – Gerard Depardieu 

Gérard Depardieu wird am 27. Dezember 1948 in Châteauroux als drittes von sechs Kindern geboren. Mit 13 Jahren fängt er eine Druckerlehre an und lernt boxen. Er gilt als aufsässig und schwierig.

1965 nimmt ihn ein Freund mit nach Paris auf die Schauspielschule. Sein Leben beginnt.

 

Seit Jahrzehnten gilt Depardieu als einer der großen französischen und europäischen Schauspieler überhaupt. Er kann alles und spielt alles: Cyrano, Asterix, Rodin; Liebende, Verzweifelte, Arbeiter, Bourgeoise, Außenseiter – insgesamt mehr als 180 Filme. Er war einmal verheiratet und hat vier Kinder. Sein Sohn Guillaume ist vor drei Jahren mit 37 Jahren gestorben. Depardieu besitzt Weinberge, u. a. in Frankreich, Spanien, Marokko, Argentinien. Er lebt, wie er arbeitet: exzessiv.

 

Der lange Weg nach oben

Aber das war nicht immer so. Heute einer der meist verehrten Schauspieler Frankreichs, hatte Depardieu einen langen Weg nach oben. Als kleiner Junge wurde er in der Schule ausgelacht, auch als junger Mann konnte er nicht richtig reden. Er stotterte und hatte Hemmungen, den Mund aufzumachen. Er selbst scheute sich nicht darüber zu sprechen. „Ich hatte die Sprache verloren. Bei uns herrschte ein lautes Schweigen. Bevor ich reden konnte, lernte ich zu schreien.“

 

Berechtigt zur Frage wie man dann auf die Idee kommt ausgerechnet Schauspieler zu werden? Laut Depardieu war es Zufall.  Laut eigener Aussage lungerte er am Bahnhof rum, traf einen Freund, der nach Paris fuhr und zu ihm sagte: “Ich gehe zur Schauspielschule, komm doch mit.” Depardieu hatte trotz allem einen schrecklichen Drang nach Kommunikation, er spürte in sich, dass er wohl früher oder später ans Theater musste. Alle hatten Angst vor der Bühne. Er nicht. Spielen machte ihn ruhig. Da gab ihm jemand Worte, die er nie besessen hatte. Er fing an, Bücher und Texte zu verschlingen. Da war er gerade einmal 17 Jahre alt.

 

Vom Stottern und einer stockenden Stimme

Doch wie fand Depardieu überhaupt zur Sprache. Als schwerer Stotterer gab es wohl kaum eine größere Herausforderung. Der heute weltberühmte Schauspieler verzweifelte als junger Schauspieler an seiner stockenden, holprigen Stimme und Konzentrationsschwäche.

 

Alfred Tomatis und Mozart  –  die Retter in der Not

Doch Gérard Depardieu hatte Glück. Ein Lehrer an der Schauspielschule in Paris erkannte das Potenzial schickte ihn zu einem ungewöhnlichen Arzt, der ihn mit Mozart therapierte – Alfred Tomatis. Depardieu sollte sein berühmtester Fall werden. Monatelang sollte er Mozart hören, immer in anderen gefilterten Frequenzen, was ihn allmählich ruhiger machte. Es stellte sich heraus, dass das gestörte Sprechen offenbar mit einem gestörten Hören zusammenhing. Eines Tages platzte der Knoten.

 

Es stellte sich bald heraus, dass Dépardieu auf dem rechten Ohr nur sehr undifferenziert und verzerrt (viel zu laut) hörte. Dieser Hörschaden, nicht zuletzt bedingt durch eine unglückliche Kindheit und schwierige Familienverhältnisse, hatte sich auf seine Stimme und auch nervlich ausgewirkt. „Muss ich operiert werden, Medikamente nehmen? wollte Depardieu wissen. „Nichts dergleichen“ schmunzelte Tomatis. „Nur Mozart hören!“ Nach einigen Monaten intensivsten Horchtrainings waren die Probleme behoben. Depardieu sprach frei und fließend, mit klarer ruhiger Stimme, selbstbewusst und sympathisch zugleich.