Katherine Hepburn – eine Rebellin in Hosen

 

Mit vier Oscars eine der erfolgreichsten Filmkarrieren Hollywoods war die Rebellin in Hosen doch zeitlebens unzufrieden mit ihrer Stimme.

 

Das Lampenfieber war ihre größte Plage. “Die Leute sind immer bereit, dich zu beerdigen und das Einzige, was dich aus dem Grab heraushält, ist deine eigene Entschlossenheit nicht hineinzufallen” war sie überzeugt. Ihre Beziehung zum Theater war sehr problematisch und dies nicht zuletzt wegen ihrer Stimme.

 

 

Die Stimme

 

Die Stimme ist Hepburns Problem. Bei ihrer ersten Rolle am Broadway sprach sie zu hoch und zu schnell, spielte schlecht und ungeschickt. Sie konnte ihre Stimme nicht kontrollieren, manchmal konnte sie mitten in einer Aufführung nicht mehr sprechen.

 

In einer Theaterkritik heißt es: “Ein neues Gesicht, das wie ein Totenschädel wirkt, aus dem eine metallische Stimme ertönt.”

 

Nachdem ihr während der Theateraufführung von “Die Millionärin” ganz die Stimme weggeblieben war, suchte Hepburn einen Sprachtrainer auf.

 

Mithilfe von Stimmübungen sollte sie das Zwerchfell trainieren, doch wie Katherine Hepburn in einem späten Interview erklärte, verstand sie diese Übung nicht. Die Angst schnürte ihr die Kehle zu, so dass sie nicht tief genug atmen konnte.

 

Sie hörte auf Theaterkritiken zu lesen. “Noch heute glaube ich, dass das, was ich nicht anschaue, nicht existiert”, sagt sie später.

 

 

Die Anfänge

 

Sie kommt zu spät zur Kostümprobe. Katharine Hepburn, gerade 21, groß, schlank, burschikos, hat gerade das College beendet. Sie will unbedingt Theater spielen. Doch sie bekommt im Fundus nur mehr das hässlichste Kleid von allen, das halt übrig geblieben ist: unten viel zu kurz, oben nicht besonders vorteilhaft.

 

Dann steht plötzlich dieses Mädchen vor ihr und sagt: “Ich möchte, dass du mein Kostüm nimmst. Ich werde nicht Schauspielerin, aber ich glaube, du wirst eine werden, ich glaube sogar, dass du ein großer Star sein wirst.” Hepburn ist sprachlos. Das Mädchen gibt ihr das schönste Kleid von allen und es passt wie angegossen. Sechs Jahre später wird Katharine Hepburn tatsächlich ein Star: Sie bekommt den Oscar als die beste Hauptdarstellerin. Das ist im Jahr 1934. Es war nicht ihr letzter Oscar.

 

 

Mit eiserner Disziplin

 

Dass Hepburn die Worte fehlten, kam selten vor. Die Tochter eines Arztes und einer Frauenrechtlerin lernte früh, ihre Meinung zu sagen. Schon als Kind wusste sie sich gegen ihre drei Brüder durchzusetzen – in dem sie wie ein Junge auftrat: Ihre Haare trug sie kurz, Freunde riefen sie “Jimmy”, nicht Katharine.

 

Sie stellte sich jeder Herausforderung, auch wenn die Angst sie lähmte. Ihr starker Drang berühmt zu werden, spornte sie an immer ihr Bestes zu geben. Kein Misserfolg konnte sie entmutigen.

 

Ihre Filmkarriere startete in den frühen 30er Jahren, als die ersten Tonfilme gedreht wurden. Während einige Stummfilmstars den Sprung nicht zum Tonfilm schafften, waren Stimme und Leinwandpräsenz bei Katherine Hepburn ein perfektes Zusammenspiel. Sie war stark und zerbrechlich und doch kein Sex-Objekt, eher eine kantige Schönheit. Spencer Tracy beschrieb ihre berühmt blechernden Stimme als „ eine Münze, die man in einen Spielautomaten wirft“. Katherine Hepburn war eine einzigartige Persönlichkeit, niemand war so wie sie. Die Zuschauer waren anfangs irritiert und wussten sie nicht einzuordnen.

 

Hepburn

Die Rebellin in Hosen

 

Neben ihren Schauspielqualitäten war sie auch eine kluge Geschäftsfrau und eine zähe Verhandlungspartnerin. Sie durchschaute schnell die neu entstehende Filmbranche und bekam als Anfängerin zur damaligen Zeit eine sehr hohe Gage (1500 Dollar).

 

Sie galt als eigensinnig und störrisch. Doch sie setzte sich durch. In den 30er Jahren gab es die ersten Hosen für Frauen. Sie liebte die Kombination von Hosen und flachen Schuhen. Als die Studiobosse ihr das Tragen von Hosen verbieten wollten, lief sie so lange in Unterwäsche herum, bis es ihr wieder erlaubt wurde.

 

Sie mischte sich in Produktionsabläufe ein, war nicht bereit sich unterzuordnen. Jedem ihrer männlichen Gegenspieler begegnete sie auf Augenhöhe. Mit den Regisseuren und Produzenten diskutierte sie nicht, sie nahm deren Vorgaben an und machte ihres daraus. Sie hasste halbe Sachen, war hart zu sich und zu ihren Kollegen. Katherine Hepburn hatte einen hohen Anspruch, gut ist nicht gut genug. Es sollte immer das Bestmögliche sein.

 

“Wenn Du Dich immer an die Regeln hältst, verpasst Du eine Menge Spaß.” Katherine Hepburn