Haben Sie schon einmal eine Person getroffen, die Sie mit ihrer Stimme oder Sprechweise zutiefst beeindruckt hat? Wo Sie anschließend dachten: „So möchte ich auch sprechen können!“. Sprechen kann man lernen und Stimme kann man verändern. Der erste Schritt zum Erfolg ist die eigene Stimme kennenzulernen.  

 

Wir alle tun es und doch ist es der „blindeste“ Fleck unserer Kommunikation – unserer Stimme. Im Bereich Beratung und Verkauf ist der Einsatz der Stimme von größter Bedeutung. Ca. 80% aller Kommunikation in diesem Bereich erfolgt mittels ihrer Stimme. Trotzdem kennen die wenigsten Menschen ihre eigene Stimmqualität, wissen um die Macht der Sprechtechnik und wie sie einzusetzen ist. Dieses große Geheimnis der Kommunikation lässt sich leicht lüften. Vieles ist über den Inhalt bekannt, mittlerweile ist auch der Bereich der Körpersprache schon transparenter geworden. Die gute Nachricht: Wir können, entgegen oft anderslautender Meinung, wesentlich in unsere Stimm- und Sprechtechnik eingreifen, um sie so einzusetzen, dass wir das erreichen, was wir wollen. 

 

Erst wenn ich weiß, was ich tue und wie ich es tue, kann ich tun, was ich will! – Moshe Feldenkrais 

 

Lernen Sie Ihre Stimme kennen 

Sie finden hier eine Anleitung wie Sie Schritt für Schritt Ihre Wahrnehmung schärfen und die „blinden“ Flecken unserer Sprechweise in Ihr Bewusstsein holen. Dann erst können Sie beginnen sinnvolle Veränderungen vorzunehmen.  

 

Im Lauf unseres Lebens haben wir uns alle unsere ureigensten Gewohnheiten zugelegt: Die Gewohnheit zu sprechen, die Art und Weise Wörter zu betonen und wie wir Emotionen, Lautstärke oder Modulation einsetzen. All dies wird früh in unserer Kindheit geprägt und daher schon sehr lange unbewusst geübt. Diese Muster zu verändern ist deutlich schwieriger, als einen inhaltlichen Aspekt des Sprechens (Verkaufens!), wo wir nur einzelne Worte verändern. 

 

Unsere Stimme und Sprechweise ist uns sehr vertraut, auch wenn sie falsch und damit ineffizient eingesetzt wird. Sie ist uns vertraut und wir haben daher das Gefühl „richtig“ zu sprechen. Wir kennen es einfach nicht anders. Selbst wenn wir oft Halsschmerzen haben oder heiser sind, die Stimme in wichtigen Situationen versagt, oft gepresst und hart, zu hoch oder zu piepsig klingt, so empfinden wir doch keinen Handlungsbedarf. Meistens wissen wir gar nicht, was in diesem Bereich möglich und veränderbar ist. 

 

Sie brauchen ein Aufnahmegerät 

Ja, ich weiß. Sie denken jetzt wahrscheinlich “Oh nein! Nicht meine Stimme auf Band!“ Viele finden ihre Stimme auf Band tatsächlich schrecklich. Ungewohnt ist sie in jedem Fall. Genau deshalb nehmen wir diese unsere Stimme ganz bewusst auf. Ihr Nutzen: Sie lernen beim Abhören Ihre eigene Stimme immer besser kennen – sie fühlt sich dann nicht mehr so fremd an. Sie lernen, besser zu differenzieren, einzelne Unterschiede herauszuhören. Außerdem überprüfen Sie damit gleichzeitig ihren Lernerfolg. Wenn Sie kein passendes Gerät dafür haben (Diktiergerät, Laptop mit Headset etc.), dann verwenden Sie einfach Ihr Mobiltelefon. Fast alle Handys verfügen über eine eigene Aufnahmefunktion.  

 

Schritt 1 – die Bestandsaufnahme 

Sprechen Sie einen kurzen Text auf Band – lesen Sie einen kurzen Zeitungsartikel. Heben Sie den Artikel für einen späteren Vergleich auf. Als ersten Schritt machen wir eine Bestandsaufnahme und halten mit einer persönlichen Stimmanalyse die Stimmcharakteristik, den heutigen Ist-Status fest. Außerdem können Sie zu einem späteren Zeitpunkt immer wieder Ihre Anfangsdaten vergleichen.

Hinweis!

Wir beschreiben Stimmcharakteristika üblicherweise als Gegensatzpaare. Damit fällt die Einordnung in eine Struktur leichter. 

 

Meine Stimme klingt für mich … 

 

  • hoch – tief 
  • laut – leise  
  • voluminös – dünn 
  • weich – hart 
  • dynamisch – monoton 
  • schwach – kräftig 
  • klar – belegt 
  • entspannt – angespannt 

 

Halten Sie auch spezielle Auffälligkeiten wie krächzend, rauchig, hauchend etc. unbedingt fest. 

 

Schritt 2  

Nun beginnen Sie diese Gegensatzpaare bewusst auszureizen. Sprechen Sie mal ganz hoch, dann tief, mal weich, dann wieder hart. Bewegen sie sich aus Ihrem Sprechmuster heraus. Nehmen Sie auch diese Sprechübungen auf und hören Sie sich die Aufnahmen bewusst an. Was gefällt Ihnen? Was nicht? Was wollen Sie an Ihrer Stimme verbessern? 

 

Schritt 3 

Lesen Sie den gleichen Artikel erneut und verändern Sie eine Kleinigkeit aus den Gegensatzpaaren, die Sie positiv gefunden haben. Nehmen Sie dies wieder auf und hören sie sich die Aufnahme an. 

 

Tipp! 

Löschen Sie die Aufnahme nicht sofort, sondern hören Sie Ihre Sprechprobe am nächsten Tag erneut an. Mit einem zeitlichen Abstand bekommen wir mehr Objektivität und hören unsere Stimme wieder auf eine neue Art. Mit dieser Übung verbessern Sie Ihre Stimme Schritt für Schritt. 

 

Das nächste Mal geht es weiter mit Teil 2. Teilen Sie mir doch ihre Erkenntnisse und Erfolge mit 🙂