Hören Sie öfter von anderen, dass Sie zu leise sprechen? Wollen Sie Ihren Stimmklang erhöhen, wissen aber nicht wie? Wenn Sie auch zu den Menschen gehören, denen immer wieder gesagt wird, dass sie schwer verstanden werden, dann finden Sie hier hilfreiche Tipps und Empfehlungen für eine lautere und kräftigere Stimme. 

Die Stütze  

Eine tiefe Atmung ist die Grundlage für einen kraftvollen Stimmklang. Die Tiefenatmung stellt ausreichend Atemdruck zur Verfügung, um die Stimmlippen in eine starke Schwingung zu versetzen. Der Atemdruck, aus dem der Ton entsteht, wird durch den Einsatz von Muskeln in Beckenboden, Bauch und Unterbauch unterstützt und konstant gehalten. Durch allmähliches Zusammenziehen während der Stimmgebung halten sie den Luftdruck konstant. Wenn Menschen ihre Stimmkraft nicht aus der Körpermitte holen, sondern stattdessen im Kehlbereich herauspressen, klingt die Stimme eng oder scharf. 

Was beim Sprechen passiert, können Sie in Kurzform direkt ausprobieren: 

Sprechen findet immer mit der Ausatmung statt. Um zu erfahren, was Ihr Körper dabei macht, legen Sie bitte die Handflächen auf Ihren Unterbauch und rufen laut „Hey“ und dann „Ey“ — so als wollten Sie auf sich aufmerksam machen. Spüren Sie dabei nach, wie sich Ihre Bauchdecke bewegt. Sie wölbt sich nach innen. Das ist die logische Gegenbewegung zum Einatmen, bei der sich die Bauchdecke weitet. Wiederholen Sie es ruhig noch einmal, um sich mit dem Gefühl vertraut zu machen. 

Bei dieser Tonerzeugung ist weit mehr als der Bauch beteiligt. Auch die unterhalb des Bauchbereichs liegenden Muskeln des Beckenbodens werden aktiv.  Der Beckenboden hat für den gesamten Körper eine wichtige Stützfunktion und ist auch an der Stimmgebung beteiligt.  

Wenn Sie aufrecht auf einem Stuhl sitzen, fühlen Sie rechts und links die beiden  Gesäßknochen, die auf die Sitzunterlage drücken. Bewegen Sie die beiden Sitzhöcker mit geringem Muskelaufwand aufeinander zu, indem Sie die Po-Muskeln anspannen und wieder entspannen. Dabei werden Sie sich leicht vom Stuhl abheben: Wiederholen Sie das Anspannen und Loslassen einige Male – und schon ist der Beckenboden aktiviert! Das ist eine Bewegung, die vom Atmen oder Sprechen völlig unabhängig passiert. Sobald Sie ein Gefühl für die beteiligten Muskelpartien haben, können Sie die Bewegung kleiner machen, so dass der Körper dabei äußerlich ruhig auf der Sitzfläche bleibt und das Zusammenziehen der Muskeln nur im Inneren des Körpers spürbar ist. 

Verbinden Sie diese Muskelbewegung nun mit dem Ausatmen. Atmen Sie – mit Geräusch! – auf einem langgezogenem „ffffff aus, während Sie langsam die Beckenbodenmuskulatur zusammenziehen. Versuchen Sie es dann mit einem langgezogenem „www (mit Stimme!). 

Das ist schon die Basis des gestützten Sprechens. Im Unterschied zu dem schnellen Ruf „Hey“, wird hier die Luft viel langsamer und kontrollierter entlassen. Genauso, wie wir es brauchen, um beim Sprechen die Atemspannung bis zum Satzende zu halten. 

Sprechen mit Stütze und mehr Power! 

Schritt 1 – im Sitzen 

Versuchen Sie nun verschiedene Laute: „Ch“, oder „sch“ eignen sich gut, weil hierzu ein starker Atemdruck erzeugt werden muss.   

„Ich will nicht.“  

„Macht nichts.“ 

„Schwächlich ist der kichernde Wicht.“ 

Die nächste Phase sind Sätze, die Sie wieder mit dem Beckenboden abstützen. Sagen Sie dazu eine Begrüßung oder eine kurze Telefonansage. 

Spüren Sie immer nach, wie sich beim Sprechen der gesamte Beckenboden von unten und von den Seiten wie eine Spirale oder Feder zusammenzieht.

 

Schritt 2 – im Stehen 

Im Stehen wirkt das gleiche Prinzip. Da nun die Sitzhöcker als Orientierungspunkte wegfallen, ist es hilfreich, wenn Sie vorher gelernt haben, Ihre Beckenbodenmuskulatur genau wahrzunehmen. Beginnen Sie erneut mit den „ch“ bzw. „sch“. Wörter wie z.B:  

 „ich – mich – nicht – Wucht – schlecht – kocht“  

Stellen Sie sich etwa hüftbreit hin, stemmen Sie die Füße in den Boden. Verstärken Sie den Druck nach unten. Stellen Sie sich zusätzlich vor, eine Nuss klemmt zwischen Ihren Pobacken und Sie versuchen diese zu knacken. Wenn auch eine seltsame Vorstellung, aber es hilft. 

Holen Sie die Kraft aus dem Boden und unterstützen Sie die Aktivität des Zwerchfells — und damit auch die Kraft Ihrer Stimme.  

Lösen Sie die zusammengezogenen Bauch- und Beckenmuskeln nach der Sprechbewegung  möglichst vollständig. Erst dann erfolgt der Einatmen-Impuls. Gönnen Sie sich dazu ruhig eine kurze Pause.  

Ein zweiter „Mund“  

Zur Unterstützung der Zwerchfell-Aktivität können Sie sich auch einen Blasebalg wie einen zweiten Mund direkt unterhalb des Bauchnabels vorstellen. Dieser unsichtbare Helfer schickt die Stimme mit Power zum sichtbaren Mund nach oben.