„Das hast du ja toll hingekriegt!“ Dieser Satz kann – unterschiedlich betont und ausgesprochen – als Kompliment oder als Kritik durchgehen. Sowieso läuft rund 80 Prozent unserer Kommunikation über die Körpersprache – und dazu gehört eben auch die Stimme. Im Streit, oder überhaupt in Konfliktgesprächen, nimmt sie eine besondere Rolle ein. Mit dem richtigen Ton können wir einen Streit aufheizen oder abkühlen. Warum verändert sich die Stimme im Streit? Wieso wird der Ton oft laut und schrill? Und wie lässt sich die Stimme wieder „runterbringen“?
 

Mit unserer Stimme können wir einen Streit anheizen – oder auch abkühlen.  

 Wenn wir sprechen, sprechen wir über mehrere Kanäle. Unser Gegenüber hört somit was wir sagen aber auch wie wir es meinen. Er hört auch wie es uns gerade geht. Sind wir verärgert oder beleidigt, so nimmt unser Gesprächspartner dies ebenso wahr. Und wie das bei Emotionen gerne so ist, reagieren wir auf diesen emotionalen Beziehungsangriff. Damit wird ein Gespräch abgekühlt oder eben oft erst richtig angeheizt. 

 

 

Oft merken wir im Streit gar nicht, dass sich unsere Stimme verändert. Warum ist das so? 

 Streit bedeutet emotionale Anspannung. Diese überträgt sich in der Stimme. Das können Sie nur schlecht bis gar nicht verhindern. Denn die Muskeln im Körper spielen zusammen und reagieren aufeinander. Wir wappnen uns sozusagen körperlich auf die Situation und spannen damit unbewusst Muskeln an. Und dies eben auch im Kehlkopf.

 

Laut und schrill 

Wir wollen uns Gehör verschaffen und den anderen auch gerne mal stimmlich übertrumpfen. Statt sich zu beruhigen und die Stimme zu senken, treibt uns die emotionale Ausnahmesituation in mehr Anspannung und das wird in der Stimme hörbar. Die Stimme ist damit ein emotionaler Basishebel. So wie Sie sich fühlen werden sie das auch übertragen. Die höhere Spannung lässt Ihre Stimme in die Höhe schnellen, wenn sie jetzt auch noch gehört werden wollen, dann werden Sie laut und hoch – und das zusammen ergibt schrill.

 

Ist es überhaupt möglich, den Ton im Streit ganz bewusst zu kontrollieren? 

Je nachdem wie gut Sie es schaffen Ihre Emotionen zu kontrollieren. Denn es ist in erster Linie eine Frage der körperlichen Kontrolle. Ganz wird es Ihnen wohl nicht gelingen. Fokussieren Sie zum Beispiel zwischendurch auf Ihren Atem, atmen Sie langsam ein und aus. Damit steigen Sie emotional kurz aus und können sich etwas beruhigen. Bis Sie dann in die nächste Runde einsteigen.

 

Kann man Selbststeuerung der Stimme lernen – vielleicht außerhalb der eigentlichen Konfliktsituation?  

 Am besten legen Sie sich ein paar Rituale zu, die Sie in Ruhezeiten üben, und auf die Sie in herausfordernden Situationen zurückgreifen können. Das Einsummen auf den Eigenton ist da eine gute Idee. Sie summen tief und tiefer in den Bauchraum – mit einem stimmigen mmmh! Dies tut auch Ihrer Stimme gut und lässt Sie so ganz nebenbei die richtige Wohlfühllage Ihre Stimme finden. Denn jede Stimme hat einen Wohlfühlton und der liegt üblicherweise tiefer als die Sprechstimme. In diesem Ton übertragen Sie Glaubwürdigkeit und Vertrauen – genau jene Parameter, die Sie im Streit gut gebrauchen können. 

 

Nicht immer schaffen wir es, im Streit die Fassung zu bewahren. Tipps, wie sich die Stimme wieder runterbringen lässt.

 Es gibt ein paar Werkzeuge, die helfen können, wobei jeder für sich herausfinden muss, was am besten wirkt. Die besten 3 Tipps für mehr Selbststeuerung der Stimme im Streit:  

 

  1. Sie können ein inneres Mantra aufsagen – also indem sie sich innerlich vorsagen: „Ganz ruhig, es ist alles gut“ vielen hilft das bereits.  
  1. Sie versuchen eine bewusste Atemkontrolle  langsam und bewusst ein- und ausatmen um den Atemrhythmus von „flach und schnell“ zu unterbrechen.   
  1. Legen Sie Ihre Zungenspitze gerade nach oben an das Gaumendach – dies soll den emotionalen Kreis wieder schließen und Sie schnell wieder in einen guten neutraleren Zustand versetzen.  

 

Versuchen Sie es einfach. Lassen Sie mich wissen, was bei Ihnen funktioniert. 

Viel Erfolg 

Ihre Barbara Blagusz