„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ sagte schon Hesse. Was er sicher nicht damit meinte war ein Redner, der langwierig alle wichtigen und weniger wichtigen Persönlichkeiten zu Beginn begrüßt. Kommt Ihnen das bekannt vor? Bis der eigentliche Teil der Rede beginnt, sind Sie schon eingeschlafen. Leider sind Redestarts dieser Art auch heute noch immer keine Seltenheit.

Wozu die wertvollen ersten Worte einer Rede an langweilige Begrüßungen verschenken. Verstehen Sie mich nicht falsch: dies soll nicht respektlos wirken und selbstverständlich ist eine Begrüßung ein wichtiger Part, nur eben nicht ganz am Beginn. 

Holen Sie Ihr Publikum ab

Sprechen Sie das an, was Ihr Publikum vermutlich am meisten interessiert und begrüßen Sie erst dann, im 2. Schritt. Das schafft Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit ist die Währung unserer Zeit. Schaffen Sie es nicht gleich zu Beginn Ihr Publikum zu fesseln, haben Sie es im Laufe der Rede zunehmend schwerer, denn der Haloeffekt strahlt auf Sie ab. 

Kurz gesagt beschreibt der Halo-Effekt einen Wahrnehmungsfehler, eine unbewusste Störung unserer Urteilskraft, bei der einzelne Eigenschaften einer Person so dominant auf uns wirken, dass sie einen überstrahlenden Gesamteindruck erzeugen – deshalb auch „Halo“ (englisch für Heiligenschein) Effekt. In der Sozialpsychologie spricht man dabei auch von einer kognitiven Verzerrung.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich einen Menschen mit auffallend guten Umgangsformen vor. Schnell assoziieren wir gepflegtes, adrettes Aussehen, Eloquenz, Charme und noch ein paar weitere positive Merkmale. Oder anders ausgedrückt: Eine einzige markante Eigenschaft (gute Manieren) lässt uns auf andere unbekannte Eigenschaften schließen. Wer sich so benimmt, muss einfach ein guter und sympathischer Mensch sein. Leider wirkt dies auch umgekehrt. Starten Sie langweilig, lässt der Haloeffekt Sie als ganz Person langweilig wirken.

Überraschen Sie!

Ihr Publikum hat gewisse Erwartungen. Machen Sie es „anders“, irritiert dies auf den ersten Blick, schafft aber auch hohe Aufmerksamkeit.

„Ich habe die Zukunft gesehen, sie wird nicht funktionieren“, begann der Ökonom Paul Krugman einmal sein Resümee einer Chinareise. Und schon wollen Zuhörer wissen warum. Das ist ein guter erster Satz.

Fragen Sie!

Fragen zwingen zum Nachdenken und aktivieren. Damit sind sie ein sehr gutes Mittel, Ihr Publikum neugierig zu machen. Überlegen Sie, was fragt sich Ihr Publikum in Bezug zum Thema? Und genau das sprechen Sie in Form einer Frage aus. Mit Fragen wie: Sie werden sich vermutlich fragen, was hat es mit xy auf sich…? Passt nahezu zu jedem Thema. Auch provokante Fragen oder Schätzfragen eignen sich ganz wunderbar für den magischen Beginn. Sie können auch die  Fantasie Ihres Publikums nutzen. Zum Beispiel mit der Frage:

„Was werden sie hier hören, dass Ihnen Ihr Leben da draußen erleichtern kann?“

So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Frage aktiviert – die Zuhörer müssen sich mit Ihrem Thema befassen, um ihre Nutzenerwartungen zu prüfen – und sie löst Antworten aus, auf die Sie im Laufe Ihrer Rede eingehen und so Nähe herstellen können.

Selbstverständlich funktionieren auch weniger subtile Fragen, um Aufmerksamkeit und Nähe zu erzeugen wie z.B.: „Wieso ist es wichtig, dass wir uns gerade heute mit dem Thema XY befassen?“.

Zitieren Sie!

Zu fast jedem Thema gibt es kluge Sätze von berühmten Menschen. Stellen Sie deren Gedanken an den Anfang. So strahlt der Haloeffekt bzw. die Autorität der Urheber indirekt auch auf Sie und Ihre Person positiv ab. 

Starten Sie – prägnant!

Ganz gleich, welchen Einstieg Sie für Ihr Thema wählen wichtig ist in jedem Fall, dass Sie im ersten Satz

kurze Wörter verwenden, 

klar und konkret bleiben,

Fachchinesisch vermeiden,

Adjektive umgehen.


So steigern Sie die Verständlichkeit und wecken Interesse. Dafür lohnt es sich, mehr Vorbereitungszeit zu investieren.


Denn was für Journalisten gilt, gilt auch für Rednerinnen und Redner: Es gibt keine 2. Chance für einen 1. Eindruck.

Lesen Sie auch – der perfekte Einstieg und Anfang gut, alles gut und holen Sie sich weitere Tipps und Tricks.

Viel Spaß!

Ihre Barbara Blagusz