Wer hört nicht gerne ein Lob? Doch es kommt auf die Formulierung an, ob wir dieses auch als echtes Lob erkennen und motiviert werden. Pauschale Verallgemeinerungen führen selten zum Ziel. Hier finden Sie Tipps für echtes Lob und Beispiele für gute und schlechte Formulierungen für Ihre Praxis.

 

Vielen Vorgesetzten fällt das Loben schwer.  Laut eines Reports des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der Universität Bielefeld und der Beuth Hochschule für Technik Berlin, gab der Großteil der Arbeitnehmer (54,5% bei 28.000 Studienteilnehmern) an, nie oder nur sehr selten von Vorgesetzten für Leistungen gelobt zu werden. Aber: Mehr als ein Drittel der Befragten (35,5%) ist sich hingegen sicher, dass es gesünder für Arbeitnehmer sei, wenn Vorgesetzte sich mehr für sie ins Zeug legen würden.

 

Dabei werden die Leistungen der Mitarbeiter in vielen Fällen von den Vorgesetzten durchaus geschätzt. Sie halten es jedoch mehr nach dem Motto: „Nicht kritisiert ist Lob genug“ – und nutzen damit einen der wichtigsten Hebel der Mitarbeitermotivation nicht. Ein echtes Lob an der richtigen Stelle erfreut, motiviert, spornt an und ist Balsam für die Seele. Es kann für einen Mitarbeiter viel bedeuten. Fehlendes Lob dagegen frustriert, demotiviert und wirkt sich negativ auf die Arbeitsleistung aus.

 

Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Sie Ihre Leute loben, sondern auch wie. Wer seine Mitarbeiter mit Lob motivieren will, findet hier ein paar Tipps:

1. Der Ton macht die Musik

Damit ein Lob als solches zu erkennen ist, meinen Sie es. Ihr Mitarbeiter spürt sehr genau, ob Sie das vermeintliche Lob nur so „daher sagen“, oder ob es tatsächlich anerkennend gemeint ist.

 

2. Vermeiden Sie Pauschalierungen

Statt „Das haben Sie gut gemacht“ besser ein: „Ihre Idee im Projekt-Meeting vorhin hat mir richtig gut gefallen. Es freut mich, dass Sie sich dazu konkret etwas überlegt haben.“ oder „Großartig, dass Sie den Kunden Huber für uns gewonnen haben.“ So zeigen Sie ehrliche Wertschätzung und vermitteln, dass Sie wissen, was Ihre Mitarbeiter leisten.

 

3. Einschränkungen zerstören jedes Lob

„Das haben Sie sehr gut gemacht. Warum geht das nicht immer so?“ Ein Lob soll als Lob stehenbleiben, da braucht es keine Einschränkungen.

 

4. Missverständliche Aussagen erzeugen Irritation

„Das haben sie mal wieder richtig gut gemacht“. Ist das überhaupt ein Lob. Kein Wunder, wenn sich auch Ihr Mitarbeiter nicht auskennt.  Ersetzen Sie „mal wieder“ durch konkrete Zahlen, Daten, Fakten. Das freut Ihren Mitarbeiter und gibt Ihrem Lob konkreten Inhalt

 

Auch das „gut gemacht“ lässt sich noch optimieren. Versuchen Sie doch statt dem „gut“ ein „ausgezeichnet, exakt, detailliert, hervorragend, sauber, optimal, gut durchdacht, schnell, umsichtig“. Auch das Wort „machen“ kann man ersetzen durch „erledigt, formuliert, gestaltet, erarbeitet, aufgelistet, zusammen gefasst, zusammen gestellt, recherchiert, analysiert“.

 

Meine Empfehlung: Trainieren Sie Ihren aktiven Wortschatz. Nur wer Nuancen ausdrückt, gibt den Mitarbeitern die Chance, diese auch zu erkennen.

 

5. Positive Formulierungen erzeugen positive Bilder

Vergleichen Sie: „Das war gar nicht mal so schlecht“ mit „Ihr Wortbeitrag hat mir sehr gut gefallen“. Bei einem der beiden werden Sie sich vermutlich besser fühlen. Auch wenn Sie vermeintlich das gleiche sagen, negative Formulierungen erzeugen negative Bilder im Kopf. Wollen Sie also Ihren Mitarbeiter motivieren, dann malen Sie auch mit Worten positive Bilder.

 

6. So verträgt sich Lob mit Kritik

Wenn Sie loben und kritisieren wollen, dann habe ich folgende Empfehlung für Sie:

  • Nennen Sie mindestens zwei positive Dinge
  • Loben Sie diese zwei Dinge konkret mit Zahlen, Daten, Fakten – also Uhrzeit, Handlung, Ort
  • Kritikpunkt: Nennen sie das Positive, dass Sie beobachtet haben. Nennen Sie dann die Sache, die sie beim nächsten Mal besser sehen wollen.
  • Geben Sie dem Mitarbeiter einen motivierenden Satz für die Zukunft mit, wie z. B: „Ich weiß, dass Sie das können, denn ich habe es auch schon (Ort, Handlung) bei Ihnen gesehen.
  • Abschließend bei Bedarf noch ein weiterer positiver Punkt.

 

7. Lob = Leistung + Verhalten

Loben Sie nicht nur die Ergebnisse, sondern ab und zu auch Einsatz, Geduld, Anstrengung und andere nicht leistungsgebundene Verhaltensweisen. So schaffen Sie Vertrauen und ein angstfreies Arbeitsumfeld. Sie signalisieren: Es ist auch okay, wenn einmal etwas schief geht. Das Verhalten können Sie zum Beispiel auf diese Weise loben: „Auch wenn wir den Kunden/Auftrag/Abschluss nicht bekommen haben: Ich weiß, wie hart Sie daran gearbeitet haben, das Angebot/Projekt/die Präsentation so fertigzustellen. Danke für Ihren Einsatz.“

 

Noch ein Tipp zum Schluß: Loben Sie auch, wenn es nichts Herausragendes gibt. Ein Schulterklopfen, ein extra Tag frei, wenn sich ein Mitarbeiter sehr engagiert hat – warum nicht? Langfristig bringt es Ihnen zufriedene Mitarbeiter.

 

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