Einige Menschen fallen besonders dadurch auf, dass sie nicht auffallen: Sie sprechen zu leise. Der Stimmeinsatz ist meist nur angehaucht, die Stimme nach Innen gerichtet, leise. Frauen sprechen zusätzlich gerne etwas oberhalb ihrer natürlichen Stimmlage.  

Was beim ersten Hinhören freundlich klingt, hat einen entscheidenden Nachteil: Sie werden nicht gehört. Schlimmer noch: Ihre gesamte Person verliert an Sichtbarkeit – die Stimme trägt nicht. Wenn sich der Geräuschpegel in der Umgebung auch nur leicht erhöht, sind Menschen mit angehauchten, leisen Stimmen kaum noch zu verstehen. 

Gehören auch Sie zu den leisen Sprechern? Oder kennen Sie Menschen aus Ihrem Umfeld, auf die diese Beschreibung zutrifft? Hier erfahren Sie, was Sie konkret tun können, um Ihrer Stimme mehr Kraft zu verleihen. Die folgenden Tipps helfen nicht nur Leise-Sprechern, sondern sind für alle hilfreich, die ihre Stimme stark beanspruchen. 

„Bitte lauter sprechen!“  

Diese einfache Aufforderung nützt meistens nichts. Unsere Art zu sprechen ist uns durch jahrelanges Einüben so sehr unbewusst vertraut und zur zweiten Natur geworden, dass uns nicht bewusst ist, wie wir genau sprechen. Geschweige denn, was wir anders machen könnten. Die gute Nachricht ist: Selbst, wenn Sie das Potential Ihrer Stimme bisher nicht ausgeschöpft haben, gehen Ihre grundlegenden Fähigkeiten nicht verloren.  

Laut ist nicht gleich viel Volumen 

Die „normale“Sprechlautstärke liegt je nach Sprechsituation bei 62-66 Dezibel (dB). Kurzfristig kann der Mensch richtig laut – bis 120 bis 130 Dezibel – sein (wie eine Motorsäge). 

In Bezug auf die Stimme ist Lautstärke nicht gleichbedeutend mit Volumen (=Resonanzqualität). Je voluminöser umso mehr Teiltöne (Formanten) im Grundton. Eine voluminöse Stimme muss deshalb nicht zwangsläufig laut sein. Aber man hat mit ihr die Möglichkeit mühelos laut zu werden, ohne dass ihr Klang leidet und sie sich schrill oder gequetscht anhört. 

3 + 1 Faktoren für mehr Lautstärke in der Stimme  

Der Atemdruck

Siehe dazu Lauter sprechen – die Kraft der Stimme entwickeln – Teil 1Dort erfahren Sie, wie Sie atmen und wie Sie den Atemdruck so unterstützen, dass ein ausreichend starker und konstanter Luftstrom entsteht. Wenn Sie die Stimme aus der Kraft der Körpermitte holen, haben Sie bereits eine gute Grundvoraussetzung, um die Stimme bei Bedarf kräftig werden zu lassen.

Der Stimmbandschluss 

Über den Atemdruck, der sich unter den Stimmbändern aufbaut, öffnen und schließen sich die Stimmlippen. Je nachdem wie gut bzw. großflächig dieser Verschluss passiert, sprechen wir mit einem harten oder weichen Stimmeinsatz. Schließen die Stimmlippen mit wenig Masse bzw. bleiben teilweise geöffnet, entsteht ein weicher, fast gehauchter Ton. Da  wenig Druck vorhanden ist, kann der Ton nicht klar und laut werden .  Versuchen Sie laut und kurz „Ey“ und dann „hey“ zu rufen. Hier spüren Sie diesen Unterschied. Wollen sie also laut sprechen, dann achten Sie immer auf einen guten Stimmbandschluss. Dies passiert meist schon, wenn Sie ein wenig „ernster“ sprechen wollen. 

Hier geht es auch um die Mundöffnung. Öffnen Sie den Mund besonders beim „a“ 2 Finger hoch. Lesen Sie dazu auch die Übung Korkensprechen


Die Verstärkung im Rachen-, Mund- und Nasenraum (Vokaltrakt

Je größer die Öffnung des Vokalraumes umso mehr Klang kann entweichen. 

Versuchen Sie doch mal jemanden mit „hallo!“ zu rufen. Einmal öffnen Sie den Mund weit und einmal mit offenen Lippen aber geschlossenen Zahnreihen. 

So nützt Ihnen auch eine laute Stimme nichts, denn Sie werden kaum gehört.

Die Absicht

Wollen Sie wirklich gehört werden, dann sprechen Sie auch so. Ihre Absicht ist im Außen hörbar und Ihre Stimme reagiert auf diesen inneren Motor. 
Wenn Sie präsentieren, sprechen Sie also mit der Intention, gehört werden zu wollen! 

Wenn wir uns über das, was wir sagen wollen, nicht sicher sind, neigen wir dazu leise zu sprechen. In diesem Fall liegt die Lösung nicht in der Sprechtechnik, sondern in der inneren Einstellung zur Situation und zum Thema.  

Diese Absicht können Sie trainieren, indem Sie sich vorstellen, den Raum bis in den letzten Winkel mit Klang zu füllen. 

Füllen Sie den Raum mit Klang 

Stellen Sie sich die Stimme als unsichtbare Vektoren im Raum vor.  

  • Bis wohin reicht die Stimme?  
  • Erreicht sie den Gesprächspartner/Zuhörer?  
  • Fällt sie vorher ab (zu leise Stimme)? 
  • Oder schießt sie über das Ziel hinaus (zu laute Stimme)? 

Bitten Sie eine Person um Feedback. Positionieren Sie Ihren Zuhörer in unterschiedlichen Entfernungen und holen Sie sich Feedback, wie weit Ihre Stimme reicht. 

Bitten Sie die Person dann auch sich hinter Sie zu stellen und versuchen sie Ihren Zuhörer nur mit der Stimme zu erreichen. Der Stimmklang wird mit dieser Absicht voller und räumlicher, als wenn Sie nur direkt nach vorne sprechen. 

Fokussieren Sie mit den Augen

Die visuelle Einstellung der Augen hilft dabei. Stimme folgt der Blickrichtung und unterstützt eine angemessene Lautstärke. 

Leise Menschen nehmen oft wenig oder keinen Blickkontakt auf und verzichten dadurch auf diese so wichtige Orientierungshilfe.  

Experimentieren Sie mit diesen Parametern und entdecken Sie die Möglichkeiten, die Ihnen Ihre Stimme bietet.