Kann man mit der Stimme Glas zum Platzen bringen?

 

Leise, laut oder schrill – die menschliche Stimme kann viele Tonlagen und Facetten zeigen. Doch kann sie auch ein Glas zum Zerspringen bringen?

 

Im Film ist es ein toller Gag: Das Baby oder die Sängerin kreischen so schrill, dass Fensterscheiben zerbersten und die Scherben fliegen. Ist das möglich? Kann man mit der Stimme allein Glas zum Platzen bringen?

 

 

Hoch und laut allein genügt nicht

 

Wer denkt, man muss nur möglichst hoch und laut singen, um ein Glas kaputt zu singen, liegt falsch! Das Geheimnis hinter dem zerspringenden Glas sind Schwingungen. Das Glas muss sich bewegen. Doch wie kommt die Energie der Stimme in das Glas? Der Anfang steckt in unserem Hals: Während wir sprechen oder singen, vibrieren die Stimmlippen und versetzten so die Luft in Bewegung. Die Luftteilchen verbreiten die Schwingung ähnlich wie Wasserwellen.

 

Damit die Schwingungen dann auch auf das Glas übertragen werden, ist die Tonhöhe (Frequenz) entscheidend. Nur bei einer bestimmten Frequenz nimmt das Glas die Schwingungen aus der Luft auf und beginnt, hin und her zu schwingen. Physiker nennen dieses Mitschwingen “Resonanz”. Das Glas schwingt aber nur bei einer bestimmten Frequenz mit – der sogenannten Eigenfrequenz. Und die ist bei jedem Gegenstand individuell. Schlägt man ein Glas beispielsweise mit einem Löffel an, dann erklingt es genau in der Eigenfrequenz.

 

 

Leider nein!

 

In Wirklichkeit funktioniert der Trick nicht. Die menschliche Stimme allein ist zu schwach, um Glas zerspringen zu lassen. Außerdem schwankt sie selbst bei ausgebildeten Sängern.

 

Um etwas zum Platzen zu bringen, muss jedoch eine gleichmäßige Schwingung vorhanden sein. Das ist maximal mit künstlichen Tönen aus einem Lautsprecher erreichbar.

 

Töne sind Schwingungen, die sich wellenförmig ausbreiten. Bei einer Stimmgabel oder einem Gong kann man sehen, wie sie vibrieren, während der Ton zu hören ist. Mit einem Griff zum Kehlkopf und den gesprochenen Lauten „a,e,i,o,u“ oder „m,w,l“ etc. kann man die Vibration im Kehlkopf fühlen.

 

Jeder Körper hat eine Eigenfrequenz, in der er schwingt. Ein Körper kann auch mehrere Eigenfrequenzen haben. Wenn diese Eigenfrequenzen sich überlagern, ist die Schwingung sehr stark. Sie reicht jedoch bei der menschlichen Stimme nicht aus, Glas zum Springen zu bringen.

 

 

So laut wie ein Düsenjet

 

Damit das Glas nicht nur schwingt, sondern auch zerspringt, muss die Schwingung mit viel Energie auf das Glas treffen. Wir nehmen die Energie als Lautstärke wahr. Also: Die Lautstärke richtig aufdrehen. Die Schwingungen im Glas müssen sich so stark aufschaukeln, bis das Material “überfordert” ist und bricht. Dafür müsste der Ton allerdings so laut sein wie ein naher Düsenjet. Ein Mensch kann das nicht schaffen.