Leseprobe Erfolgsfaktor Stimme – Barbara Blagusz

 

 

3 Wirkungsebenen der Kommunikation – der erste Kontakt

 

3.1 Der erste Eindruck

 

Sie haben bestimmt schon einmal eine ähnliche Situation wie die folgende erlebt: Sie begegnen einem zunächst unbekannten Menschen von gepflegtem Äußeren und sympathischem Auftreten. Die Person ist Ihnen – rein optisch – ganz einfach sympathisch – bis sie den Mund öffnet und zu sprechen beginnt. Ganz plötzlich ist der erste positive Eindruck irritiert, weil der Stimmklang unangenehm ist, weil die Stimme nasal, gepresst, vernuschelt, zu hoch, monoton oder mit Singsang klingt. Schlimmstenfalls hören wir einen Räusperzwang. Sie haben sicher auch schon einmal das Gegenteil erlebt. Eine Person, deren optischer erster Eindruck vielleicht nicht so umwerfend war, bis zu dem Moment, wo sie zum ersten Mal den Mund öffnete, wo wir sie zum ersten Mal sprechen hörten. Fasziniert lauschen wir einer Stimme, die klangvoll, sympathisch und ansprechend wirkt.

 

 

Die Stimme ist die »Visitenkarte einer Person«, der hörbare Ausdruck der Persönlichkeit.

 

Wie Sie in den ersten paar Sekunden auf Ihr Gegenüber wirken, bestimmt zu einem großen Teil den weiteren Verlauf der Kommunikation. Dies ist umso entscheidender, als wir es gar nicht verhindern können, uns einen ersten Eindruck zu bilden. Dabei  hat unsere Körpersprache im Vergleich zur Stimme einen zeitlichen Vorsprung. Die Informationsaufnahme über unser Auge erfolgt schneller als über unser Ohr, was entwicklungsgeschichtlich bedingt ist. Dieser Prozess ist neurologisch in einer sehr alten Hirnregion verankert und instinktgesteuert. Dabei entscheidet der allererste Eindruck über »Freund oder Feind« – »Muss ich mich schützen, muss ich aufpassen, oder kann ich mich entspannen?« In weiterer Folge erfolgt eine grobe Einschätzung – ein »Sympathiecheck «. Dort legen wir fest, ob die Person auch auf den zweiten Blick für uns interessant ist oder nicht. Dabei spielt die Körpersprache unseres Gegenübers eine große Rolle. Hier wird sofort klar kommuniziert, ob die Person, die uns gegenübersteht, sicher, nervös, sympathisch oder kompetent ist. All das »scannen « wir in Bruchteilen von Sekunden.

 

Fazit! Wenn Sie sich nicht wohl fühlen und unsicher sind, wird man das sehen. Wenn Sie daher schon vor der »ersten« Begegnung etwas für Ihre innere Sicherheit tun und dann bei einer ersten Begegnung darauf achten, dass Ihre Körpersprache offen und sympathisch wirkt, haben Sie den positiven Ersteindruck praktisch schon Nun folgt ein weiterer wichtiger Moment – der Zeitpunkt, in dem Sie Ihren Mund aufmachen und verbal kommunizieren. Nun kommt plötzlich eine andere wichtige Ebene ins Spiel. Wir tendieren dazu, der Stimme aufgrund der Art und Weise, wie wir sie das erste Mal hören, Persönlichkeitsmerkmale der ganzen Person zuzuschreiben. Die Stimme wirkt hier wie das Spiegelbild der Persönlichkeit.

 

Ob wir gut oder schlecht drauf sind, wütend, gestresst, erschöpft oder glücklich – man wird es in der Stimme hören. Die nächsten drei Minuten nach Gesprächsbeginn werden über die Stimme entschieden. Dort festigt sich unsere erste grobe Bewertung. In dieser Zeit können Sie mit Ihrer Stimme und Sprechweise punkten. Die Kompetenz und Sicherheit, die man Ihnen als Person zuschreibt, werden während dieser drei Minuten festgelegt. Machen Sie das gut, können Sie sich erfahrungsgemäß in weiterer Folge viel erlauben. Die Stimme ist also ein mächtiges Instrument, mit dem wir unsere Wirkung auf andere merklich beeinflussen und lenken können. Sie ist unser ureigenster »vokaler« Fingerabdruck und macht uns einzigartig und unverwechselbar. Stimmt nun der optische Eindruck mit der Stimme nicht überein, dann »gewinnt« die Stimme. Nach einem kurzen irritierenden Augenblick folgen wir unserem inneren Gefühl und vertrauen mehr der Stimme eines Menschen und was diese in ihrem Sprechausdruck über den Sprecher aussagt. Ganz nach dem Motto »Eine schöne Kleidung ist schnell gewechselt, die Stimme jedoch bleibt«.

 

Der Stimme und Ihrer Ausdrucksweise schreiben wir viel unmittelbarer einzelne Persönlichkeitsmerkmale zu. Hier kommt der Haloeffekt zum Tragen. Der Haloeffekt beeinflusst und verzerrt unsere Beurteilung anderer Menschen. Danach werden laut einer Studie Personen, die undeutlich sprechen, auch insgesamt negative Persönlichkeitsmerkmale wie Unsicherheit, mangelnde Präsenz, geringe Kompetenz bis hin zu geringer Schulbildung etc. zugeschrieben. Es ist leichter, jemanden generell als positiv oder negativ einzuschätzen, als lediglich einzelne positive oder negative Eigenschaften innerhalb eines Menschen zu erkennen. Der erste Eindruck ist prägend, und wir rücken nur sehr schwer von einer einmal gefassten Meinung ab. Der beste Tipp lautet daher: Üben Sie Ihren Text und da insbesondere Ihre Anfänge, dann erreichen Sie auch den akustischen ersten Eindruck, den Sie vermitteln wollen.