Hast Du schon gehört? Warum Tratsch Spaß macht und welche Gefahren lauern

 

Klatsch und Tratsch machen Spaß, verbinden und lassen uns Dampf ablassen. Für Klatsch-Opfer kann das Geschwätz jedoch schnell bitter enden. Ob in der Kaffeeküche, beim Kopiergerät im Büro oder beim Mittagessen in der Kantine: „In zwei Drittel aller Gespräche werden Gerüchte verbreitet“, sagt der Soziologe Christian Schuldt. Der Wissenschaftler am Zukunftsinstitut in Frankfurt sieht Flüsterpropaganda als Instrument der Selbstdarstellung: „Wer immer etwas Neues weiß, macht sich beliebt. Wer Klatsch-Wissen teilt, hat viele Komplizen.“

 

 

Es lebe das Drama!

 

In Krisenzeiten und in Unternehmen mit wenig Informationstransparenz wird besonders viel getratscht. Da machen schnell Gerüchte die Runde. Der Informationsvorsprung lässt uns wichtig erscheinen. Dabei erfüllt der Klatsch eine wichtige soziale Funktion und ist zutiefst menschlich. Nichts verbindet so sehr wie ein gemeinsames Geheimnis. Oder noch besser: ein gemeinsamer Feind. Wer Klatsch verbreitet, will sich profilieren oder Druck ablassen – häufig auf Kosten anderer. Die Indiskretion fasziniert eben. Wir ergötzen uns an dem heimlichen Wissensvorsprung und laben uns an der unglaublichen Blödheit der anderen.

 

Lass mich dazu gehören!

 

Dahinter steckt ganz oft der Wunsch nach Zugehörigkeit: Die Menschen passen sich anderen Meinungen gerne an, um Teil einer Gruppe zu sein und sich keine eigene Meinung bilden zu müssen.

 

Aber wenn ohnehin jeder über jeden redet, woher kommt dann dieses seltsame Unbehagen bei der Vorstellung, selbst Thema einer solchen Unterhaltung zu sein? Aller Klatsch und Tratsch über uns könnte doch auch positiv sein, oder?

 

Wie Gerüchte wirken

 

Büroklatsch kann massiv den guten Ruf einer Person beschädigen, aber auch positiv beeinflussen. Der Mechanismus ist dabei derselbe: In dem Maß, wie die Informationsflut steigt, wächst auch das latente Gefühl, eben doch nicht alles mitbekommen zu haben oder der falschen Information aufzusitzen. Ein vertraulicher Hinweis dagegen, überbracht von einem glaubwürdigen Bekannten oder gar Freund – das überzeugt.

 

Negatives gewinnt

 

Am besten verbreiten sich pikante Details. Je negativer, umso besser. Auch das ist wieder zutiefst menschlich. Denn wir Menschen sind wie magisch angezogen von negativen Informationen und verbreiten diese auch weiter öfter als Positives.

 

Der amerikanische Buzz-Experte und Buchautor Jerry R. Wilson hat einmal branchenübergreifend untersucht, wie sich gute und schlechte Kundenerlebnisse verbreiten. Ergebnis: positive Erlebnisse werden bis zu drei Mal weitererzählt, schlechte Erlebnisse jedoch bis zu 33 Mal. Wenn man also jemanden vergrämt, ist die Chance groß, dass er das elf Mal häufiger weitertratscht als der Mensch, zu dem man gerade nett war. Was für ein Verhältnis!

 

Wehrpflicht: Wie Sie auf üblen Klatsch und Tratsch reagieren sollten

Tipp 1: Ist der Vorwurf berechtigt: Stehen Sie dazu!

Eine Entschuldigung und eine kurze Erklärung in einem sachlichen und souveränen Tonfall genügt meistens.

 

Tipp 2: Nicht rechtfertigen!

Das verstärkt das Gerücht nur und klingt ebenso unsicher wie leugnen oder abstreiten.

 

Tipp 3: Vorwürfe zurückweisen!

Ist das Gerücht völlig an den Haaren herbei gezogen, gibt es nur eine richtige Reaktion: Weisen Sie die Vorwürfe umgehend und begründet zurück. Wichtig: Zögern Sie zu lange, sieht es so aus, als könnte doch etwas dran sein. Liefern Sie keinen Gegenbeweis, verpufft das Gerücht. Aber auch hier gilt: So wenig Emotionen wie möglich.

 

Tipp 4: Ignorieren!

Bei Kleinigkeiten ist es oft am besten, sie zu ignorieren. Reagiert man darauf, gewinnen die Personen wie auch das Gerücht selbst nur an Bedeutung.

 

Tipp 5: Nutzen?

Wenn der Urheber von Klatsch unbekannt ist, überlegen Sie: „Wer könnte einen Nutzen daraus ziehen, mir zu schaden?“

 

Tipp 6: Ablenken!

Wer bösen Klatsch über andere hört, kann das Thema wechseln und damit ablenken, oder den Raum verlassen mit einer Ausrede wie „Ach, ich muss noch schnell etwas erledigen!“.

 

Tipp 7: Hintergründe und Motivation erforschen!

Fragen Sie die Lästerer: „Woher wisst ihr das?“ oder „Warum interessiert euch das?“ Sehr schnell wird klar, was an einem Gerücht dran ist.

 

Tipp 8: Kontern!

Ist der Gerüchtestreuer ein Image-Schwergewicht und verfügt über eine hohe Reputation im Unternehmen , dann kontern Sie, zunächst unter vier Augen. Gibt er nicht auf, gehen sie an die Öffentlichkeit. Ein größeres Meeting im Unternehmen reicht für den Anfang. Offenbaren Sie sein unprofessionelles Vorgehen, liefern Sie Gegenbeweise. Bleiben Sie allerdings stets locker und amüsiert und zeigen Sie, dass Sie sich über so viel Aufmerksamkeit freuen.

 

Tipp 9: Sagen Sie selbst nur Gutes!

Ein Sprichwort sagt: „Es bleibt immer etwas vom Dreck am Werfer kleben.“ Lästern zeugt nicht gerade von einem noblen Charakter. Stellt sich die Botschaft als unwahr heraus, gilt der Urheber schnell als Lügner oder als ahnungsloser Wichtigtuer. Nicht zu vergessen: kaum etwas schadet der eigenen Karriere so sehr wie das Image eines Lästermauls oder auch nur eine undichte Stelle zu sein.

 

Ein Hoch auf positive News!

 

So wie zwei Kadetten der niederländischen Marine: Sie schworen sich, während ihrer Amtszeit nur Gutes über den anderen zu berichten. Wo immer einer der beiden hinkam, stimmte er ein Loblied auf den jeweils anderen an. So sammelten beide Pluspunkte bei ihren Zuhörern: Der eine, weil seine Fähigkeiten gepriesen wurden, der andere, weil er seinen guten Charakter unter Beweis stellte, indem er selbstlos einen Kollegen rühmte. Mit Erfolg: Beide wurden später zu den bisher jüngsten Admirälen der Niederlande ernannt. Der Effekt ging später in die Wissenschaft als Dutch Admiral’s Paradigm ein. Lästern ist zwar lustig – loben aber lohnt sich.

Lesen Sie dazu auch den aktuellen Artikel im News: Weißt Du was ich heute gehört habe?

Ihre

Barbara Blagusz