Ob jemand begeistert, niedergeschlagen oder fröhlich ist, das hören wir an seiner Stimme. Wir merken auch, wenn die Stimme nicht zu dem Gesagten passt. Ein gelangweiltes “Los geht’s” ermuntert niemanden wirklich zum Anfangen. An der Stimme lässt sich aber noch mehr erkennen.

Ja, man kann fast sagen, anhand der Stimme können wir Gedanken lesen.

 

Woran das liegt und vor allem wie das geht, das wurde ich im Rahmen eines Interviews mit einem heimischen Radiosender gefragt.

 

In einem Brief kann man oft “zwischen den Zeilen” lesen. Geht das auch in einem persönlichen Gespräch?

 

In einem persönlichen Gespräch geht das sogar noch um vieles leichter. Deshalb telefonieren viele Menschen auch in diesen digitalen Zeiten noch manchmal lieber als zu schreiben.

 

Wir hören sehr viel genauer wie der Inhalt gemeint ist, als was jemand sagt. Denn es schwingen immer zwei Botschaften mit: Einmal der sachliche Inhalt – die Information und dann die Stimmung in der sich der Sprecher gerade befindet. Manchmal höre ich auch sehr gut, wie der Sprecher zu mir als Zuhörer oder aber zum Inhalt steht. Das bedeutet, wie es um unsere Beziehung steht. Mag mich der Sprecher? Werde ich belehrt? Ordnet er sich unter? Klingt er genervt oder höchst zufrieden? All das hören Sie – das müssen Sie nicht üben.

 

Woran merke ich, dass mein Gesprächspartner was anderes denkt als er sagt?

Dafür haben die meisten von uns sehr feine Antennen. Wir lernen das von Kindesbeinen an, besonders bei emotionalen Inhalten mehr auf den Stimmklang zu hören und diesem zu vertrauen. Wenn Sie in einer Stadt nach dem richtigen Weg zum Bahnhof fragen, wird dies nicht so ausschlaggebend sein, als wenn Sie jemanden um seine Meinung zu einem Thema fragen.

Wir entscheiden dann blitzschnell nach unserem Gefühl, ob die Aussage glaubwürdig – sprich im Sinne des Gesagten zu verstehen ist, oder ob hier doch etwas ganz anderes mitschwingt. Beispiel: „Das hast du ja wieder ganz toll gemacht.“ Mit einem genervten Ton gesagt, stimmt der Inhalt nicht mit der Betonung überein. Dann gewinnt der Ton und niemals der Inhalt.

 

In welchen Situationen kann es hilfreich sein, genau darauf mal zu achten?

Sie brauchen gar nicht besonders darauf zu achten, denn dies ist meist recht eindeutig und die Entscheidung passiert unterbewusst.

 

In der heutigen Zeit erleben wir ja leider eher das Gegenteil. Weil der Sprecher  emotional nicht gelesen werden will, versuchen viele ihre Emotionen zu verbergen und ganz sachlich zu klingen. Das Ergebnis ist dann oft, dass sich der Zuhörer nicht auskennt und im Zweifelsfall immer negativ entscheidet. Das bedeutet, er wird ihnen nicht glauben. Und das ist meist kein wünschenswertes Ergebnis.

 

Tipp:

Sind Sie nicht sicher, wie das Gesagte zu verstehen ist, dann fragen Sie einfach nach. Damit erhöhen sie die Chancen auf der Zuhörerseite richtig zu liegen.

 

Wie kann ich selbst verhindern, dass ich im Gespräch meine Gedanken verrate?

Streng genommen können Sie das gar nicht. Denn für feine Ohren wird das immer ein Stück weit hörbar sein. Das macht uns auch so menschlich. Das ist es auch was viele an digitalen Roboterstimmen nicht mögen, dass diese so emotionslos und damit kalt klingen.

 

Tipp:

Überlegen Sie sich vorab, wie Sie zu ihren Inhalten stehen. Wollen Sie mit ihrem Inhalt überzeugen, dann suchen Sie für sich selbst Argumente die dafür sprechen und hinter denen Sie voll und ganz stehen können. Dann klappt‘s auch mit der Stimme

 

Welche Rolle spielen Mimik und Gestik?

Eine sehr große Rolle, da sie sich gegenseitig beeinflussen.

 

Machen Sie folgendes Experiment:

Stellen Sie Ihre Füße eng nebeneinander und pressen Sie die Knöchel zusammen und halten Sie die Spannung.

Jetzt versuchen Sie, Ihre Waden anzuspannen und Ihre Beine zusammenzupressen – halten Sie weiter die Spannung.

Spannen Sie Ihre Oberschenkel an und Spannung halten.

Den Po anspannen, Bauch einziehen — Spannung halten

Beide Schultern hochziehen, beide Arme anspannen, anwinkeln und an den Körper ziehen — Spannung halten.

Ballen Sie nun die Hände zu Fäusten — die Spannung halten.

Das Kinn zur Brust drücken, die Augenbrauen zusammenziehen, ein ganz kleines Gesicht machen, ganz so als wäre Ihnen kalt — Spannung halten.

Und jetzt sagen Sie laut „Mir geht’s gut“! Sie werden merken, dass dies nicht stimmt und damit auch in ihrer Stimme nicht stimmig rüberkommt. Wollen Sie positiv klingen dann heben Sie den Kopf, heben die Augenbrauen und lächeln Sie – sofort wird der Satz „Mir geht’s gut!“ anders klingen.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren!