Unser Körper spricht Bände

 

Unsere Körpersprache macht uns zu dem, der wir sind. Sie lässt uns auf eine bestimmte Art und Weise auf andere wirken und umgekehrt, denn auch wir lesen die Körpersprache unserer Mitmenschen. Mal mehr, mal weniger bewusst, aber immer mit Wirkung. Wenn wir die Parameter dafür verstehen und was da genau passiert. Wenn wir Körpersprache lesen, lernen wir auch uns selbst ein bisschen besser kennen.

 

Worauf achten wir genau, wenn wir Menschen beobachten? Was ist es, dass uns – bewusst oder unbewusst  – über sie urteilen lässt?  Und wie lässt sich das für uns selbst beeinflussen?

 

Amy Cuddy, Harvard Professorin für Sozialpsychologie und Amerikas führende Körpersprache-Expertin, analysiert regelmäßig Politiker und so auch die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten der USA.

Ihren Untersuchungen nach beurteilen wir alle Menschen, die wir nicht kennen, in zwei primären Dimensionen:  Wärme und Macht.

 

Wir fragen uns also:

  1. Mag ich die Person? Im Sinne von Wärme und Vertrauenswürdigkeit und
  2. Respektiere ich die Person? Im Sinne von Kraft und Kompetenz

 

Wir alle senden ständig, wenn auch unbewusst, nonverbale Signale, die andere Menschen dazu verwenden uns zu beurteilen und umgekehrt.

 

Powerposen

Bei Powerposen handelt es sich um nonverbale Signale, die Macht ausdrücken. Je ausgedehnter – sprich den Körper größer machend – die Geste oder Pose ist, umso mehr Macht wird ausgedrückt. Am besten lässt sich dies bei politischen Debatten beobachten. Achten Sie doch bei der nächsten politischen Diskussion auf folgendes:

 

  • Verwendet der Sprecher weite, offene, starke und dynamische Gesten?
  • Wie breitbeinig steht der Sprecher?
  • Zeigen die Fußspitzen nach Außen?
  • Reckt er die Brust?
  • Liegt das Kinn leicht über der Horizontalen?
  • Initiiert er das Händeschütteln?
  • Berührt er zusätzlich den Körper z.B. den Oberarm beim Händeschütteln?
  • Wie viel Platz nimmt er ein?
  • Versucht er auch in den Raum des Gegners einzudringen?
  • Wie sind die Posen der Sprecher während der Debatte? Werden die Posen größer und raumeinnehmender oder kleiner wie z.B. durch das Heben oder Senken des Kinns?
  • Liegen die Hände an der Außenseite des Rednerpults oder reichen sie seitlich darüber hinaus?

 

 

Die meisten Politiker sind sehr gut darin Macht zu demonstrieren, nicht unbedingt  Wärme.

 

Laut Cuddy liegt der Fokus der meisten Politiker darin Macht und Stärke zu demonstrieren. Sie vergessen dabei jedoch, dass wir Menschen auch mögen wollen.

Dann achten wir besonders auf inkongruente Signale, also Körpersprache-Signale, die nicht mit dem Inhalt übereinstimmen.

 

Kritisiert ein Politiker beispielsweise einen anderen Politiker und lächelt dabei, so finden wir das, wenn auch unbewusst unpassend und unsere Sympathiewerte für diesen Menschen schwinden. Schnell sagen Wähler dann: „Ja, er mag gut sein, aber ich mag ihn nicht.“

 

 

Aus einer früheren Präsidentschaftsdebatte sehen wir hier das Video von John McCain, als er sagte: “I’ll follow Osama Bin Laden to the gates of hell“. Am Ende dieses aggressiven Statements bricht dieser dann in ein breites, „falsches“ Lächeln aus. Zu diesem Thema völlig unpassend. Fast so als würde er sich (weil einstudiert) daran erinnern, ach ja, ich muss mehr lächeln. Passiert dies jedoch in solch unpassenden Momenten, fühlt sich der Zuschauer unwohl.

 

 

Vertrauenswürdigkeit schlägt Kompetenz

Wähler wählen trotz aller Vernunft oft aus dem Bauch heraus. Und wir wählen Vertrauenswürdigkeit und Empathie vor Kompetenz und Kraft. Wir wollen Menschen mögen und wir mögen, was uns sympathisch ist. Sympathisch ist, was uns ähnlich ist oder was wir gerne wären. Ist uns ein Mensch nicht sympathisch, hat dieser es deutlich schwerer unsere Zustimmung zu bekommen. Ganz nach dem Motto: Freund oder Feind?

Erst im zweiten Schritt achten wir auf Kompetenz und Kraft. Hat der Kandidat beides nicht, bekommt er keine Zustimmung.

 

Bei einem fremden Menschen wollen wir zuerst wissen, was dessen Absichten uns gegenüber sind. Daraus folgt, dass Menschen zuerst mit uns in Kontakt treten müssen bevor wir uns beeinflussen oder weiter noch „führen“ lassen.

 

 

Vertrauen ist der Hebel der Beeinflussung

„Vertrauen ist der Kanal, durch welchen Ideen reisen.“

Gibt es kein Vertrauen, sind die besten Ideen wertlos. Besteht jedoch eine Vertrauensbasis, öffnen sich Menschen und hören zu.

 

„Having the best idea is worth nothing if people don’t trust you.”

 

 

 

Wie können Sie dies nun für Ihre Praxis verwenden?

 

Tipp! Powerposen sind für Backstage geeignet. Soll heißen, bringen Sie sich mit ihren eigenen Körpersprache-Signalen in eine gute kraftvolle Stimmung. Denn der Körper wirkt auch umgekehrt auf unsere Psyche. Nehmen wir eine kraftvolle Körperhaltung ein, so fühlen wir uns auch gleich ein Stückchen stärker und lebendiger.

 

On Stage, also auf der Bühne, im Verkaufsgespräch, bei der Weihnachtsrede, zeigen Sie ihre menschliche Seite. Menschen wollen sehen, dass Sie sich kümmern, ihre Sorgen verstehen, dass sie Ihnen wichtig sind.

 

Power Poses von Amy Cuddy

 

 

Laut Amy Cuddy ist es wichtig zu trennen, was wir vor einer Interaktion tun und dem, was wir in der Interaktion tun. Unsere Gedanken lassen unseren Körper sprechen.

 

Powerposen können helfen uns in eine kraftvolle, positive Stimmung zu bringen. Vor dem Gespräch. So dass wir in dieser positiven Haltung in das Gespräch gehen können. Im Gespräch selbst nonverbal Powerposen zu zeigen – das hat mehr mit  Alphagehabe zu tun und macht Sie nicht sympathisch.

 

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Machen Sie sich aber auch nicht klein, sondern im positiven Sinne groß, so dass Sie das Beste aus sich herausholen, ohne Angst, Vermeidungs- oder Schutzgesten zu zeigen, die Sie schwach erscheinen lassen. Vermeiden Sie Alpha-Cowboy-Bewegungen wie z.B. breitbeinig zu sitzen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt oder den Arm hinter den Sessel neben Ihnen zu legen – denn damit verhindern Sie die Vertrauensbasis, die Sie benötigen, um bei Menschen anzukommen.