Ob die Verona Pooth hoch ins Mikro flötet, Til Schweiger gelangweilt nuschelt, Gerda Rogers uns die Sterne schmackhaft machen will oder Angela Merkel versucht staatstragend zu klingen. Sie alle setzen ihre Stimme unterschiedliche ein. Nicht immer klingt das angenehm, oft verfehlt es seine Wirkung. Manchmal trifft es voll ins Schwarze. Es ist alles eine Frage des Stimmeinsatzes. Und da gibt es viele Möglichkeiten. Dazu gehören die Lautstärke, das Sprechtempo, die Richtung, die stimmliche Gestaltung und nicht zu vergessen die Hierarchie.

 

Sprich, damit ich dich höre!

 

Die Sprechweise verrät immer auch etwas über den Charakter eines Menschen.

 

Eine kräftige, laute Stimme zeugt von Selbstbewusstsein und Optimismus. Wird es jedoch zu laut, lässt das auf Unbeherrschtheit und Geltungssucht schließen. Eine durchdringende Stimme kann die Konversation sprengen, weil sich niemand mehr auf sein Thema und sein Gegenüber konzentrieren kann.

 

Eine leise, aber klar akzentuierte Stimme kann beruhigend wirken und große Sachlichkeit vermitteln. Ist die Stimme zu leise, oder haucht der Sprecher nur, wird dies schnell als Schwäche oder mangelndes Selbstbewusstsein gesehen

 

Ein schnelles Sprechtempo verrät Aktivität, Lebensfreude und Temperament. Ist das Tempo jedoch zu hoch, driftet es schnell ab in entweder Unsicherheit, Ungeduld, Ignoranz oder gar Desinteresse. Es suggeriert (unbewusst): Mir ist es egal, ob du mir folgen kannst. Oft hört der Sprecher sich auch selbst nicht zu. Dann wundert es auch nicht, wenn der Kontakt zum Gesprächspartner dünn ausfällt.

 

Ein langsames Sprechtempo vermittelt Besonnenheit und das ernsthafte Anliegen, sich dem Zuhörer verständlich zu machen. Ein zu langsames Sprechen bringt Ihnen aber keinen Pluspunkt ein. Es wird unbewusst als Zeichen von Antriebsschwäche gedeutet. Ein häufig wechselndes Sprechtempo wirkt unausgeglichen. Das “Strukturieren” des Gesagten durch Pausen steht für Überlegtheit, Disziplin, Selbstbewusstsein und Rücksichtnahme auf den anderen. Dann klingt es schnell souverän und glaubwürdig.

 

Ein harter Stimmeinsatz distanziert, während ein weicher Stimmeinsatz – eine Art „versöhnliches“ Sprechen Nähe und Geborgenheit erzeugt.

Während der harte Stimmeinsatz mehr Aufmerksamkeit bekommt, lässt uns der weiche Stimmeinsatz entspannen.

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Betonungen und Pausen hauchen dem Inhalt oft erst Leben ein. Und es zeigt Interesse am Thema. Wird es jedoch übertrieben entsteht der Eindruck von Selbstgefälligkeit oder Inkompetenz. Genauso ermüdet ein “leiernder” Tonfall die Zuhörer. Leider wird das häufig als Zeichen mangelnder geistiger Flexibilität gedeutet.

 

Eine undeutliches Aussprache zieht oft den HALO-Effekt nach sich. Dies bedeutet, dass wir aufgrund eines kleinen Merkmals – wie der undeutlichen Aussprache – Rückschlüsse auf die gesamte Persönlichkeit des Sprechers ziehen. So kann es passieren, dass einem undeutlichen Sprecher eine niedrigere Schulbildung zugeschrieben wird, als dies tatsächlich der Fall ist.

 

Eine überdeutlich bzw. übermäßig akzentuierte Aussprache wirkt schnell besserwisserisch und aufgesetzt. Was im Stimmtraining überdeutlich geübt wird, sollte im Echtbetrieb dann dosiert eingesetzt werden.

 

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Sie sehen also – es ist wie immer eine Frage der Dosierung!

Achten Sie doch einmal auf all die unterschiedlichen Stimmklänge in Ihrer Umgebung. Und wie klingen sie selbst?

 

Bis zum nächsten Mal

Ihre Barbara Blagusz